Die fachgerechte Verlegung von Mittelspannungskabeln erfordert die Einhaltung der Projektvorgaben, der technischen Daten des Kabelherstellers sowie der Anforderungen des Auftraggebers und des zuständigen Netzbetreibers.
Vor Beginn der Kabelverlegung müssen insbesondere Kabeltyp und Querschnitt, Trassenverlauf, Mindestbiegeradius, maximal zulässige Zugkraft, Schutzrohre und Durchführungen sowie die Einführung in Trafostationen oder Mittelspannungsschaltanlagen geprüft werden.
Ebenso wichtig ist die Dokumentation der ausgeführten Arbeiten. Dazu gehören – abhängig vom jeweiligen Leistungsumfang – die Trassendokumentation, Muffen- und Endverschlussdokumentation, Fotodokumentation sowie die Kabelmantelprüfung mit entsprechendem Prüfprotokoll.
- Planung und Kabeltrasse vor der Verlegung prüfen
Vor der Verlegung eines Mittelspannungskabels muss die Ausführungsplanung mit den tatsächlichen Bedingungen auf der Baustelle abgeglichen werden.
Zu prüfen sind insbesondere:
– Kabeltyp, Querschnitt und Kabellänge,
– tatsächlicher Verlauf der Kabeltrasse,
– vorhandene Fremdleitungen und mögliche Kreuzungen,
– Kabelschutzrohre und Durchführungen, sofern vorgesehen,
– Richtungsänderungen der Trasse,
– Platzverhältnisse in Trafostationen und Schaltanlagen,
– Mindestbiegeradius des Kabels,
– Voraussetzungen für den geplanten Kabelzug,
– Positionen von Muffen und Endverschlüssen.
Mittelspannungskabel können – abhängig von Kabeltyp, Planung und Vorgaben des Netzbetreibers – direkt im Erdreich oder in Kabelschutzrohren verlegt werden.
Ein Kabelschutzrohr ist daher nicht grundsätzlich für jede Mittelspannungskabelanlage vorgeschrieben. Entscheidend sind die konkrete Planung, die technischen Anforderungen und die örtlichen Bedingungen. - Planungsfehler erkennen und Bedenken anmelden
Auch eine freigegebene Planung kann Fehler enthalten oder von den tatsächlichen Bedingungen auf der Baustelle abweichen.
Typische Probleme sind beispielsweise ungeplante Kreuzungen mit vorhandenen Leitungen, ungeeignete Rohrdimensionen, fehlender Platz in der Station oder ein Trassenverlauf, bei dem der vorgeschriebene Mindestbiegeradius nicht eingehalten werden kann.
In solchen Fällen darf eine technisch fehlerhafte Lösung nicht einfach ausgeführt werden, nur weil sie im Plan eingezeichnet ist.
Der ausführende Fachbetrieb muss erkennbare technische Probleme rechtzeitig anzeigen und Bedenken anmelden.
Unsere Vorgehensweise ist eindeutig:
Problem erkennen → dokumentieren → Bedenken anmelden → technische Lösung abstimmen → erst danach ausführen.
Gerade bei Mittelspannungskabelanlagen können Planungs- oder Montagefehler nach der Verfüllung der Kabeltrasse nur noch mit erheblichem Aufwand korrigiert werden. - Kabeltrommel und Vorbereitung des Kabelzugs
Vor Beginn des Kabelzugs muss die Lieferung kontrolliert werden.
Dabei werden unter anderem Kabeltyp, Querschnitt, Kabellänge, Zustand der Kabeltrommel sowie mögliche sichtbare Beschädigungen überprüft.
Auch die Kabelenden müssen ordnungsgemäß gegen das Eindringen von Feuchtigkeit geschützt sein.
Die Kabeltrommel ist entsprechend den Herstellervorgaben aufzustellen und abzuwickeln. Eine unsachgemäße Handhabung kann bereits vor der eigentlichen Verlegung mechanische Belastungen oder Beschädigungen verursachen. - Mittelspannungskabel verlegen: Anforderungen an den Kabelzug
Beim Kabelzug eines Mittelspannungskabels darf die maximal zulässige Zugkraft des jeweiligen Kabels nicht überschritten werden.
Die zulässigen Werte sind den technischen Unterlagen des Kabelherstellers zu entnehmen.
Bei der Vorbereitung des Kabelzugs müssen unter anderem berücksichtigt werden:
– Länge der Kabeltrasse,
– Anzahl der Richtungsänderungen,
– Biegeradien,
– eingesetzte Kabelrollen und Führungssysteme,
– vorhandene Schutzrohre,
– Art der Kabeleinführung,
– zulässige mechanische Belastung des Kabels.
Bei längeren oder technisch anspruchsvollen Kabelzügen sollte der Ablauf vor Beginn der Arbeiten entsprechend geplant werden.
Entscheidend ist nicht, ob das Kabel durch die Trasse gezogen werden kann, sondern ob dies innerhalb der zulässigen mechanischen Parameter möglich ist. - Mindestbiegeradius des Mittelspannungskabels
Der Mindestbiegeradius eines Mittelspannungskabels gehört zu den wichtigsten Parametern während der Kabelverlegung.
Es gibt keinen universellen Biegeradius für sämtliche Mittelspannungskabel. Maßgeblich sind Kabeltyp, Kabelaufbau und die Vorgaben des jeweiligen Herstellers.
Besonders zu kontrollieren ist der Biegeradius bei:
– Richtungsänderungen,
– Ein- und Austritten aus Kabelschutzrohren,
– Kabelschächten,
– Einführungen in Trafostationen,
– Kabelkanälen,
– Schaltanlagen,
– Bereichen unmittelbar vor Muffen und Endverschlüssen.
Kann der vorgeschriebene Mindestbiegeradius aufgrund der geplanten Trasse nicht eingehalten werden, muss die Ausführung vor der Verlegung technisch geklärt werden.
Das Kabel darf nicht mit Gewalt in eine Position gebracht werden, die außerhalb der Herstellervorgaben liegt. - Mittelspannungskabel verlegen – direkte Erdverlegung und Kabelschutzrohre
Je nach Kabeltyp und Projekt können Mittelspannungskabel direkt im Erdreich oder in Kabelschutzrohren verlegt werden.
Bei der direkten Erdverlegung sind insbesondere die Anforderungen an Kabelbettung, Überdeckung, Abstände zu anderen Versorgungsleitungen, mechanischen Schutz und Kennzeichnung zu berücksichtigen.
Bei der Verlegung im Kabelschutzrohr müssen zusätzlich Rohrdurchmesser, Rohrverlauf, Durchgängigkeit und Biegeradien geprüft werden.
Welche Ausführung erforderlich ist, ergibt sich aus dem jeweiligen Projekt und den Vorgaben des zuständigen Netzbetreibers. - Mittelspannungsmuffen fachgerecht montieren
Die Montage von Mittelspannungsmuffen erfordert besondere Sorgfalt.
Vor Beginn der Montage muss geprüft werden, ob das verwendete Muffensystem für den vorhandenen Kabeltyp, die Spannungsebene, den Querschnitt und den Kabelaufbau geeignet ist.
Die Montage erfolgt entsprechend der Montageanleitung des Herstellers.
Besonders wichtig sind saubere Arbeitsbedingungen, die korrekte Vorbereitung der einzelnen Kabelschichten sowie die genaue Einhaltung der vorgegebenen Abmessungen.
Improvisation hat bei der Montage einer Mittelspannungsmuffe keinen Platz. - Endverschlüsse und Kabeleinführung
Gleiches gilt für Mittelspannungs-Endverschlüsse.
Bereits bei der Planung der Kabeleinführung muss ausreichend Platz vorhanden sein, damit der Kabelverlauf, der Mindestbiegeradius und die Montage des Endverschlusses technisch korrekt ausgeführt werden können.
Gerade im Bereich von Trafostationen und Mittelspannungsschaltanlagen zeigt sich häufig, ob die Planung tatsächlich mit den vorhandenen Platzverhältnissen übereinstimmt. - Muffen- und Endverschlussdokumentation
Ausgeführte Muffen und Endverschlüsse sollten eindeutig dokumentiert werden.
Abhängig von den Anforderungen des Projekts gehören dazu beispielsweise:
-Position der Muffe,
– Kabelbezeichnung,
– eingesetztes Muffen- oder Endverschlusssystem,
– Hersteller,
– Ausführungsdatum,
– ausführender Monteur,
– Zuordnung zum jeweiligen Kabelabschnitt.
Die Dokumentation ermöglicht später eine eindeutige Zuordnung der ausgeführten Verbindungen. - Kabelmantelprüfung nach der Verlegung
Nach der Verlegung gehört – sofern Bestandteil des vereinbarten Leistungsumfangs – die Kabelmantelprüfung zu den wichtigen Kontrollen.
Damit wird überprüft, ob der äußere Kabelmantel während Transport, Kabelzug, Verlegung oder weiterer Bauarbeiten beschädigt wurde.
Ein Mantelfehler muss nicht zwangsläufig von außen sichtbar sein.
Das Ergebnis der Kabelmantelprüfung wird in einem Prüfprotokoll dokumentiert und dem entsprechenden Kabelabschnitt eindeutig zugeordnet.
Wird ein Fehler festgestellt, muss dieser lokalisiert und fachgerecht behoben werden, bevor die Anlage für die weiteren Prüfungen und die Inbetriebnahme übergeben wird. - Fotodokumentation vor der Verfüllung
Eine fachgerechte Dokumentation der Mittelspannungskabeltrasse sollte bereits während der Ausführung erstellt werden.
Besonders wichtig ist die Fotodokumentation vor der Verfüllung des Kabelgrabens.
Dokumentiert werden sollten insbesondere:
– Kabelverlauf,
– charakteristische Trassenpunkte,
– Kreuzungen,
– Durchführungen,
– Schutzrohre,
– Muffenpositionen,
– Einführungen in Stationen,
– besondere technische Lösungen,
– Abweichungen von der ursprünglichen Planung.
Nach der Verfüllung können viele dieser Punkte nicht mehr ohne erneute Tiefbauarbeiten kontrolliert werden. - Welche Dokumentation sollte der Kabelmonteur übergeben?
Der konkrete Dokumentationsumfang ist projektspezifisch festzulegen.
Bei der Verlegung und Montage von Mittelspannungskabeln können insbesondere folgende Unterlagen relevant sein:
Kabeldokumentation – Angaben zu den verlegten Kabeln,
Trassendokumentation – tatsächlicher Verlauf der Kabeltrasse,
Fotodokumentation – insbesondere vor der Verfüllung,
Muffendokumentation – Dokumentation der ausgeführten Mittelspannungsmuffen,
Endverschlussdokumentation – Dokumentation der ausgeführten Kabelendverschlüsse,
Prüfprotokoll der Kabelmantelprüfung – sofern diese Prüfung zum Leistungsumfang gehört,
Dokumentation von Änderungen und Bedenken – einschließlich abgestimmter Änderungen gegenüber der ursprünglichen Planung.
Die Dokumentation sollte parallel zur Ausführung erstellt werden und nicht erst unmittelbar vor der Abnahme. - Prüfung und Inbetriebnahme durch Netzbetreiber oder Prüfdienstleister
Die Verlegung und Montage eines Mittelspannungskabels ist von der vollständigen Prüfung und Inbetriebnahme der Mittelspannungsanlage zu unterscheiden.
Je nach Projekt kann der Leistungsumfang des ausführenden Kabelmonteurs beispielsweise bei
Kabelverlegung → Muffen und Endverschlüssen → Dokumentation → Kabelmantelprüfung
enden.
Weitere Kabelprüfungen sowie die Freigabe und Inbetriebnahme können durch den zuständigen Netzbetreiber oder einen entsprechend beauftragten Prüfdienstleister erfolgen.
Deshalb sollte bereits vor Beginn der Arbeiten eindeutig festgelegt werden, welche Prüfungen der Kabelmonteur ausführt, welche Dokumente der Auftraggeber benötigt und welche Leistungen anschließend durch den Netzbetreiber oder einen Prüfdienstleister erbracht werden.
Fazit
Bei der fachgerechten Verlegung von Mittelspannungskabeln sind insbesondere vier Punkte entscheidend:
Herstellervorgaben einhalten. Mindestbiegeradius und maximal zulässige Zugkraft müssen zum konkreten Kabel passen.
Planung kontrollieren. Erkennbare Planungsfehler oder technisch nicht ausführbare Lösungen müssen vor der Ausführung als Bedenken gemeldet werden.
Montage dokumentieren. Kabeltrasse, Muffen, Endverschlüsse und relevante Änderungen müssen nachvollziehbar dokumentiert werden.
Leistungsgrenzen definieren. Kabelmantelprüfung, weitere Kabelprüfungen und Inbetriebnahme müssen vor Beginn des Projekts eindeutig zwischen Auftragnehmer, Auftraggeber, Prüfdienstleister und Netzbetreiber abgestimmt werden.
Eine technisch nicht korrekte Planung darf nicht dadurch zum Ausführungsfehler werden, dass sie ohne Rückfrage umgesetzt wird.
Erkennen. Dokumentieren. Bedenken anmelden. Technische Lösung abstimmen. Fachgerecht ausführen.